Das Windrad

Kapitelübersicht - Ökologische Zeiten - Das Windrad

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Das Windrad    

Wege der Erinnerung

  1. Vorgeschichte
  2. Elektrizität und der erste Windenergieboom
  3. Growian
  4. Anti-Atom-Bewegung und die ersten Bürgerwindprojekte
  5. Der Energieboom und die Politik I: Das Stromeinspeisungsgesetz
  6. Der Energieboom und die Politik II: Das Erneuerbare Energien Gesetz
  7. "Made in China"
  8. Fukushima und der "Konsens"

 

Verwandte Themen

Die Grünen, Das Ruhrgebiet, Der Gau, GarzweilerWaldsterben

 

Literatur

Andreas Byzio, Hartwig Heine, Rüdiger Mautz unter Mitarbeit von Wolf Rosenbaum, Zwischen Solidarhandeln und Marktorientierung. Ökologische Innovation in selbstorganisierten Projekten-autofreies Wohnen, Car-Sharing und Windenergienutzung. Göttingen 2002.

 

Daniel Boese, Wir sind jung und brauchen die Welt, Wie die Generation Facebook den Planeten rettet. München 2011.

 

Dörthe Ohlhorst, Windenergie in Deutschland. Konstellationen, Dynamiken und Regierungspotenziale im Innovationsprozess. Wiesbaden 2009.

 

Matthias Heymann, Die Geschichte der Windenergienutzung 1890-1990. Frankfurt am Main 1995.

 

Hermann Scheer et al., Wind des Wandels. Bochum 2007.

 

BWE: BUNDESVERBAND WINDENERGIE (Hrsg.) 2011: Anteil Erneuerbarer auf über 20% gestiegen. URL: http://www.wind-energie.de/infocenter/ meldungen/2011/anteil-erneuerbarer- auf-ueber-20-prozent-gestiegen (Stand: 12.01.2012).

 

BMU: BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT (Hrsg.) 2011a: Gesetz für den Vorrang Erneuernbarer Energien. URL: http://www.gesetze-im-internet.de/ bundesrecht/eeg/gesamt.pdf (Stand: 20.09.2011).

 

DEWI: DEUTSCHES WINDENERGIEINSTITUT (Hrsg.) 2011: Status der Windenergie in Deutschland. URL: http://www.dewi.de/dewi/fileadmin /pdf/publications/Statistics%20 Pressemitteilungen/30.06.11/ windenergie-deutschland- langfassung.pdf (Stand: 12.01.2012).

 

GWEC: GLOBAL WIND ENERGY COUNCIL (Hrsg.) 2011: Global Wind Report – Annual market update. URL: http://www.gwec.net/fileadmin/ images/Publications/GWEC_annual _market_update_2010_-_2nd _edition_April_2011.pdf (Stand: 12.01.2012).

 

WELT (Hrsg.) 2007: Flap flap flap – der älteste Windpark wird 20. URL: http://www.welt.de/wirtschaft/ article1129566/Flap_flap_flap_der_ aelteste_Windpark_wird_20.html (Stand: 10.01.2012).

 

Fußnoten

[1] Andreas Byzio, Hartwig Heine, Rüdiger Mautz unter Mitarbeit von Wolf Rosenbaum, Zwischen Solidarhandeln und Marktorientierung. Ökologische Innovation in selbstorganisierten Projekten-autofreies Wohnen, Car-Sharing und Windenergienutzung. Göttingen 2002, S. 270.


[2] Notebaart 1972 in: Matthias Heymann, Die Geschichte der Windenergienutzung 1890-1990. Frankfurt am Main 1995, S. 20.

 
[3] Heymann 1995, S. 20.

 

[4] Heymann 1995, S. 91.

 

[5] Heymann 1995, S. 221.

 

[6] Spiegel 15/1987, S. 92f.

 

[7] Flap flap flap – der älteste Windpark wird 20, in: Die Welt (2007), URL:  http://www.welt.de/wirtschaft/ article1129566/Flap_flap_flap_der_ aelteste_Windpark_wird_20.html (Stand: 10.01.2012).

 

[8] Heymann 1990, S. 380.

 

[9] Dörthe Ohlhorst, Windenergie in Deutschland. Konstellationen, Dynamiken und Regierungspotenziale im Innovationsprozess. Wiesbaden 2009, S. 105.

 

[10] Ohlhorst 2009, S. 239.

 

[11] Ohlhorst 2009, S. 239.

 

[12] Heymann 1995, S. 396.

 

[13] Byzio et al. 2002, S. 312 f.

 

[14] Hermann Scheer et al., Wind des Wandels. Bochum 2007, S. 157.

 

[15] Byzio et al. 2002, S. 313.

 

[16] BMU: BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT (Hrsg.) 2011a: Gesetz für den Vorrang Erneuernbarer Energien. URL: http://www.gesetze-im-internet.de/ bundesrecht/eeg/gesamt.pdf (Stand: 20.09.2011).

 

[17] GWEC: GLOBAL WIND ENERGY COUNCIL (Hrsg.) 2011: Global Wind Report – Annual market update, S. 30, URL: http://www.gwec.net/fileadmin/ images/Publications/GWEC_annual _market_update_2010_-_2nd _edition_April_2011.pdf (Stand: 12.01.2012).

 

[18] Daniel Boese, Wir sind jung und brauchen die Welt, Wie die Generation Facebook den Planeten rettet. München 2011, S. 146.

 

[19] Global Wind Energy Council 2010, S. 33.

 

[20] DEWI: DEUTSCHES WINDENERGIEINSTITUT (Hrsg.) 2011: Status der Windenergie in Deutschland, S. 1, URL: http://www.dewi.de/dewi/fileadmin /pdf/publications/Statistics%20 Pressemitteilungen/30.06.11/ windenergie-deutschland- langfassung.pdf (Stand: 12.01.2012).

 

[21] Dewi 2011, S. 4.

 

[22] BWE: BUNDESVERBAND WINDENERGIE (Hrsg.) 2011: Anteil Erneuerbarer auf über 20% gestiegen, URL: http://www.wind-energie.de/infocenter/ meldungen/2011/anteil-erneuerbarer- auf-ueber-20-prozent-gestiegen (Stand: 12.01.2012).

 

Bildnachweis

Bürgerwindrad bei Markt Erlbach (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim), Martin Geilhufe.

 

Die Geschichte der Nutzung des Windes ist nahezu so alt wie die Besiedlung der Naturräume durch den Menschen selbst. Erst mit Beginn der Industrialisierung reduzierte die Verschiebung der Energiegewinnung in den Untergrund – in Form von Kohle und Öl – die oberirdische Energiegewinnung und damit den Einsatz von Windrädern auf wenige Standorte. Die Energieerzeugung wurde vom unmittelbaren Verbraucher verdrängt und durch die flächendeckende Elektrifizierung des ländlichen Raumes ersetzt. Mit einsetzendem Bewusstsein für die Folgen der fossilen Energieerzeugung, man denke an die Diskussion um das Waldsterben, die Klimadebatte und die Proteste gegen die Atomkraft, geriet das Windrad wieder in den Fokus. Besonders an Widerstandsstandorten entstanden aus dem Protest heraus nicht selten Windräder. Sie bilden somit symbolische Orte für den Aufbruch in eine ökologische und zukunftsweisende Energieversorgung.
Windenergienutzung ist eine Energieform, die ihren großen Vorteil in der Dezentralität besitzt. Dies war der Grund für den Erfolg des Windrades im ländlichen Raum des vorindustriellen Zeitalters und ist gleichzeitig der Grund für die moderne Renaissance der Windkraft. Die stromerzeugende Windturbine wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfunden.[1]

 

 

1. Vorgeschichte

Die Geschichte der Windenergienutzung zur Stromerzeugung ist geprägt von Erfolgen und Niederlagen, von unermüdlichen Erfindern und ehrgeizigen, überdimensionierten Großprojekten. Sie begann aber mit der Verbreitung von Windmühlen, über deren genaue Herkunft es keine abschließenden Erkenntnisse gibt.
Die Windmühle zählte im vorindustriellen Europa zu den relevantesten Antriebsmaschinen. Auf windgünstigen Erhebungen befanden sich Windmühlen und dienten der Müllerei, den Sägewerken sowie zahlreichen anderen Aufgaben. So war die Windmühle im 13. Jahrhundert schon eine gewohnte Erscheinung.[2]
In Deutschland standen um 1880 ca. 20.000 Windmühlen. Die Niederlande sind durch ihre von Windmühlen dominierte Landschaft berühmt geworden. Die sogenannten Holländermühlen waren eine wesentliche Verbesserung gegenüber den älteren Bockwindmühlen. Die Verbesserung bestand darin, dass die alten Bockwindmühlen nur im gesamten drehbar waren, wohingegen die Holländermühle ausschließlich das Dach je nach Windrichtung drehen konnte. Aufgrund dieser Weiterentwicklung konnte man nun wesentlich robustere und leistungsstärkere Windmühlen bauen. In den Nordsee- und Ostseeanrainerstaaten fand die Holländermühle als Pumpmühle zur Landgewinnung im 16. und 17. Jahrhundert rasche Verbreitung und lieferte so einen wichtigen Beitrag zur niederländischen Wirtschaft. Im Gegensatz zu den Niederlanden wurden in Deutschland die Mühlen ausschließlich in der Getreidemüllerei verwendet. Im 16. Jahrhundert gehörten Windmühlen zum gewohnten Erscheinungsbild. Dennoch verbreitete sich die Entwicklung der Windmüllerei im 16.Jahrhundert bis zu Beginn des 19. Jahrhundert nur schleppend in Deutschland. Die "Wasser- und Windrechte" besaßen Landes- oder Kirchenherren, die sich dadurch die Hoheit über das Mühlenwesen gesichert hatten. Durch strenge Mühlenordnungen erteilten sie in vielen Fällen ein Neubauverbot von Mühlen. Die Mühlen wurden durch die Landes- oder Kirchenherren an die Müller verpachtet.[3]

 

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2. Elektrizität und der erste Windenergieboom

Die erste Windmühle, die Gleichstrom in das öffentliche Stromnetz einspeiste, stand in Dänemark, einem Land, das ähnlich wie die Niederlande immer sehr stark vom Einsatz von Windmühlen profitiert hatte. Im Jahr 1903 wurde die dänische Windenergiegesellschaft gegründet, die ein wesentlicher Motor für die Entwicklung der Windenergie war.
Im Jahr 1925 nutzten insgesamt 6.747 landwirtschaftliche Betriebe und ca. 8.335 Gewerbe- oder Industriebetriebe die Windenergie in der Weimarer Republik.[4] Nach dem Ende des ersten Weltkrieges standen Zulieferer und Windanlagenbauer paradoxerweise vor dem Ruin: Durch den verlorenen Krieg standen zwar wichtige Kohlevorkommen in Schlesien und Elsass-Lothringen nicht mehr zur Verfügung, eine Autarkiediskussion über Windenergie scheiterte jedoch an dem raschen Ausbau der zentralen Stromversorgung und sinkenden Rohstoffpreisen.
Im Zweiten Weltkrieg begann in Deutschland eine Forschungsoffensive für Großwindkraftwerke. Dagegen standen im Fokus der dänischen Ingenieure kleine, dezentrale Windenergieanlagen (WEA), die sich in hoher Stückzahl aufstellen ließen. Im Jahre 1936 erzeugten ca. 15.500 WEA in Dänemark Strom.[5]
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fanden sowohl die Forschungs- als auch die Installationsarbeiten ein abruptes Ende. Deutschlands Versorgungskrise angesichts exponentiell steigender Verbrauchszuwächse rückten den Fokus von der Windenergie zugunsten anderer Großerzeuger ab.

 

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3. Growian

"Grob-gröber-Growian", lautete in den 1980er Jahren ein Sprichwort in der Bundesrepublik. Tatsächlich steht die Abkürzung für Große Windenergieanlage. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) begann im Jahr 1976, Ideen für Windenergieanlagen durch Forschungsaufträge zu prüfen. So wurde der "Windenergiepark Westküste" aus dem Budget des Bundesforschungsministeriums finanziert und realisiert. Das erste große Testfeld für Windkraftanlagen im Dithmarscher Kaiser-Wilhelm-Koog sollte Strom ins öffentliche Netz speisen und Aufschluss über die "Wirtschaftlichkeit von Windenergie"[6] liefern.
Die Hamburgischen Elektrizitäts Werke (HEW) und die MAN wurden mit der Projektierung von Growian beauftragt. Der Regensburger Prof. Dr. Ulrich Hütter, der als "Vater der modernen Windkraft"[7] gilt, wurde beauftragt, die Berechnungen zu überprüfen. Geplant waren drei Megawatt (MW) Leistung. Die Höhe sollte ca. 100m betragen und allein das Rotorblatt war mit einem Durchmesser von über 100m projektiert. Die geplante WEA sollte 350 Tonnen Stahl auf die Waage bringen. In über 100 Metern Höhe befand sich am Mast zudem ein 340 Tonnen schweres Maschinenhaus. Der Growian war damals die weltweit größte geplante WEA. Jedoch litt das Projekt dauerhaft unter Materialproblemen und scheiterte letztendlich an den nicht kontrollierbaren Verschleißerscheinungen. Im Sommer 1988 wurde die Anlage zurückgebaut.[8]
Der Kaiser-Wilhelm-Koog in Dithmarschen ist eines der windhöffigsten Gebiete der Bundesrepublik. So lag es nahe, trotz des Scheiterns von Growian in diesem Koog den ersten deutschen Windpark zu errichten. Am 24. August 1987 ging dieser in Betrieb. Er bestand aus 32 unterschiedlich großen Anlagen, die zwischen zehn und 25 KW Leistung besaßen.

 

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4. Anti-Atom-Bewegung und die ersten Bürgerwindprojekte

Im Frühjahr 1986 ereignete sich der größte anzunehmende Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl. Der GAU prägte entscheidend die Entwicklung der erneuerbaren Energien und im Besonderen die der Windenergie. Der folgenschwere Unfall zeigte der Gesellschaft die Risiken der nuklearen Energiegewinnung und lenkte den Blick zunehmend auf die regenerativen Energien.[9] In dieser Zeit war die Windenergieentwicklung von Bastlern und Individualisten aus dem Milieu der Anti-Atom-Bewegung geprägt, deren Ideale in einer ressourcenschonenden, klimaneutralen und dezentralen Energieversorgung lagen. Der Hamburger Verein Umschalten wurde gegründet und die Windenergie wurde aufgrund der festen Einspeisevergütung zunehmend für neue Akteure lukrativ.[10] So gründeten sich vermehrt ökonomisch orientierte Allianzen, die einen hohen Grad an Professionalisierung in die Nischenkonstellation brachten und welche die ehrenamtlich und von hoher ideeller Motivation geprägte Szene verunsicherten.[11]

 

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5. Der Energieboom und die Politik I: Das Stromeinspeisungsgesetz

Der Beginn der gesetzlichen Förderung von Windenergie liegt im Kalifornien der 1970er Jahre. US-Präsident Jimmy Carter führte 1977 den National Energy Act ein. In Kalifornien beschloss die Regierung im Jahr 1978 Steuervorteile und feste Abnahmepreise für Strom aus Windenergieanlagen. Ronald Reagan erließ eine Abnahmepflicht, welche die lokalen Energieversorger zur Abnahme des erzeugten Stroms verpflichtete. Festgesetzte Einspeisevergütungen wurden mit einer zehnjährigen Sicherheit garantiert. Diese Regelungen lassen sich historisch als die ersten Gesetzestexte für erneuerbare Energien einordnen. Die festen Einspeisevergütungen brachten geradezu eine "Goldgräberstimmung" mit sich.[12]
In Deutschland ebnete das Stromeinspeisungsgesetz (StrEG) aus dem Jahr 1991 den Weg für den Siegeszug der erneuerbaren Energien. Es war das erste Gesetz in der Bundesrepublik, das die Abnahme von Strom aus regenerativen Energiequellen garantierte. Das Gesetz wurde notwendig, da sich lokale Energieversorger weigerten, den Strom der WEA abzunehmen. Das StrEG verpflichtete die Energieversorgungsunternehmen, eine Einspeisevergütung in Höhe von 90% des bei den Endabnehmern erzielten Durchschnittspreises zu zahlen.[13] Mit dem Inkrafttreten des StrEG wurde der Betrieb von WEA erstmals finanziell attraktiv. Bis dahin wurden WEA ausschließlich für den eigenen Gebrauch installiert.[14] Das Gesetz wurde 1990 mit breiter Mehrheit im Bundestag verabschiedet und trat 1991 in Kraft.[15] In den folgenden Jahren wurden die Rahmenbedingungen für die erneuerbaren Energien in unregelmäßigen Abständen nur geringfügig novelliert.

 

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6. Der Energieboom und die Politik II: Das Erneuerbare Energien Gesetz

Mit der Wahl der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 1998 kam es zu relevanten Veränderungen der Rahmenbedingungen. Der große Meilenstein war das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), das mit dem 1. Januar 2000 in Kraft trat und damit das StrEG ablöste. Paragraph 1 des EEG sagt: "Ziel des Gesetzes [ist]: Vorrang für erneuerbare Energien zur Stromversorgung im Hinblick auf Klimaschutz, Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung; Erhöhung des Beitrags erneuerbarer Energien an der Stromversorgung, um ihren Anteil bis 2010 mindestens zu verdoppeln.".[16] Dieses Ziel wurde in den folgenden Jahren durch den Boom der erneuerbaren Energie bei weitem übertroffen, so dass die Bundesregierung sich 2009 zum Ziel setzte, den Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch bis 2020 auf 18% (nach EU-Richtlinie 2009/28/EG) zu steigern. Des Weiteren sollte deren Anteil an der gesamten Stromerzeugung auf 35% (nach Energiekonzept der Bundesregierung vom 28.09.2010) sowie an der gesamten Wärmebereitstellung auf 14% (nach EEWärmeG 2009) erhöht werden.

 

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7. "Made in China"

In internationalen Klimaverhandlungen wird China gerne die Blockiererrolle zugeschrieben. Doch Chinas Investitionen in erneuerbare Energien sind im globalen Vergleich gigantisch. Allein im Jahr 2010 verzeichnete die Volksrepublik eine Neuinstallation von 18.928 Megawatt, die aus erneuerbaren Energien stammen. Damit erzeugen die erneuerbaren Energien in China insgesamt 44.733 Megawatt.[17] Dies entspricht ungefähr dem Doppelten der in der Bundesrepublik installierten Leistung. Der chinesische Windmarkt hat sich in den Jahren 2005 bis 2009 in Bezug auf die installierte Leistung jährlich verdoppelt. Vier der mittlerweile zehn größten Hersteller für Windenergieanlagen sind chinesische Unternehmen.[18]
Ähnlich dem deutschen Modell des Erneuerbare Energien Gesetzes wurde eine Einspeisevergütung für 20 Jahre eingeführt. Der zwölfte Fünf-Jahres-Plan sieht eine installierte Leistung von 90 Gigawatt bis 2015 vor.[19] Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise ist auch der europäische Solarzellenmarkt einer starken Veränderung der Marktdynamik unterworfen. Immer mehr Firmen aus China treten als Kreditgeber auf. Es ist nicht auszuschließen, dass der europäischen Windindustrie, die momentan den Weltmarktführer beheimatet, ähnliches bevorsteht.

 

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8. Fukushima und der "Konsens"

Das Reaktorunglück von Fukushima Daiichi im März 2011 löste in Deutschland  einen bemerkenswerten politischen Kurswechsel aus. Über Nacht setzte die Bundesregierung ein Moratorium für die acht ältesten AKW ein, kurz vor der Sommerpause 2011 wurde der Ausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahr 2022 mit den Stimmen der Koalition und der Mehrheit der Opposition verabschiedet. In diesem Zusammenhang spielt die Windenergie eine tragende Rolle, da sie nicht nur momentan den größten Anteil unter den erneuerbaren Energien im Strommix ausmacht, sondern ihr auch in Zukunft die größten Wachstumsraten zugeschrieben werden.
In Deutschland waren bis zum 30. Juni 2011 insgesamt 21.719 WEA installiert, die eine Leistung von 27.981 MW produzieren.[20] In der Nordsee sind bisher 150 WEA und in der Ostsee 48 WEA installiert.[21] Der Anteil von erneuerbaren Energien hat im August 2011 die Marke von 20% überschritten, wobei der Anteil des Windstroms mit 7,5% die Spitzenposition unter den erneuerbaren Energien einnimmt.[22] Trotz ihrer Bedeutung ist die Energieversorgung nach wie vor keinem Bundesministerium direkt zugeordnet, sondern bleibt auf mehrere Ministerien verteilt. Dies führt immer wieder zu Spannungen und Planungsunsicherheit. Dennoch wird sich dieser vielfach kritisierte Umstand zeitnah wohl nicht ändern.
Die Nutzung von Windrädern zur Stromerzeugung ist unerschöpflich und klimafreundlich. Doch der Kampf gegen Windmühlen, wie ihn schon Don Quijote – dem die Windmühlen wie Riesen vorkamen – zu Beginn des 17.Jahrhunderts führte, scheint noch nicht beendet. An zahlreichen Windenergiestandorten gründen sich Initiativen für, aber auch gegen Windräder. Trotz ihrer langen Tradition lösen diese Vertikalen in der Landschaft immer noch unterschiedlichste Gefühle und Reaktionen aus. Aktuell unterliegt die Windenergie einer neuen Bewertung, die ihre Zukunft als flächendeckende Energieversorgungsform auf die Probe stellt. Denn nicht nur die politischen Rahmenbedingungen und die Struktur der Energieversorgung, sondern vor allem die Akzeptanz in der Gesellschaft ist ausschlaggebend für den Erfolg des Windrads. Wird sich unser Blick erneut an die schlagenden Blätter des Mühlrads als Teil unserer Kulturlandschaft gewöhnen?

 

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Verantwortlich für diesen Erinnerungsort: Martin Geilhufe

 

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Empfohlene Zitierweise: Martin Geilhufe, Erinnerungsort "Das Windrad", URL: http://www.umweltunderinnerung.de/index.php/kapitelseiten/oekologische-zeiten/93-das-windrad.